Waschmittel, Wolle & „Wegetarismus“

Wer versucht „richtig“ einzukaufen, hat’s nicht leicht. Die Liste von Produkten, die man sich sparen sollte, wird parallel zur steigenden Auswahl länger und immer wieder kommen Fakten ans Licht, bei denen man sich fragt, wann jemand ins Bild hüpft und „War nur ein Scherz!“ schreit. Spätestens, wenn sich auch nach ihrer Veröffentlichung nichts ändert, darf man sich über die egoistischen (oder lethargischen?) Züge unserer Gesellschaft wundern.

Ich möchte mich gerade nicht wundern, sondern 3 konkrete Tipps geben, die mir gerade besonders wichtig sind. Bitteschön:

1. Wollvergnügen

Stricken ist super. Leider ist die Produktion von Merinowolle aber alles andere als idyllisch. Wer möchte, kann sich über Praktiken des Mulesing informieren. Wer Wolle von möglichst glücklichen Schafen kaufen möchte, sollte auf mulesingfreie Produktion achten. Es gibt sogar Wolle aus biologisch kontrolliertem Anbau.

Tipp: Im Onlineshop strick-mir-was.at kann man beispielsweise mit gutem Gewissen und ohne Rechercheanstrengungen alles kaufen. Es gibt auch vegane Wolle aus Baumwolle oder Mais.

2. Zukunftsretter Fleischreduktion

Du hast wahrscheinlich schon vom dramatischen Rückgang der Artenvielfalt gehört. Aber hast du gewusst, dass wir laut aktuellen Studien viele unserer Probleme lösen könnten, wenn wir unseren Fleischkosum um die Hälfte reduzieren würden? Vegetarische Kost verbraucht schließlich nur ein Zehntel der Ressourcen, die für die Fleischproduktion benötigt werden und stellt für mich nicht nur deswegen den zukunftsträchtigeren Weg dar.

3. Unterschätztes Do-it-yourself-Produkt

Auch wenn Selbermachen wieder populärer wird – viele haben zu wenig Zeit dafür. Was wirklich sehr wenig Zeit in Anspruch nimmt und einen großen Nutzen mit sich bringt, ist sein Waschmittel selbst herzustellen. Es ist so unglaublich einfach, dass man sich fragt, warum man je für Plastikkanister mit aggressiven Mitteln Geld ausgegeben und Abwässer verschmutzt hat.

Zutaten fürs Waschmittel: Olivenölseife, Waschsoda, Wasser, ätherische Öle nach Geschmack

Da ich kein Palmöl kaufen möchte (auch keines aus biologischem Anbau), schließt sich fast jede Kernseife aus. Beim Waschbär-Versand oder, noch besser, in einem Bioladen oder Reformhaus in deiner Nähe, gibt’s zB Aleppo-Seife mit 75% Olivenölanteil.

Wie geht’s? Olivenölseife aufraspeln, mit heißem Wasser übergießen, Waschsoda dazu, rühren, fertig. 100 bis 200 ml pro Waschgang, zu verwenden wie Flüssigwaschmittel.

Wie genau? Pro Liter Wasser brauchst du ca. 20g geriebene Seife und gleich viel Waschsoda (sind ca. 2 Esslöffel; je nach Kalkgehalt des Wassers mehr oder weniger). Nicht mal das Rezept ist sehr schwer! (Hinweis: Kernseife ist noch ergiebiger – davon brauchst du nur 10g pro Liter oder noch weniger. Experimentier ruhig ein bisschen! Dass du zu viel Seife erwischt hast, erkennst du daran, dass das Waschmittel fest wird, sobald es abgekühlt ist.) Ätherische Öle kann man nach Lust und Schmutz tröpfchenweise ergänzen: Zitrone ist gut gegen Fettflecken, Rosmarin wirkt antibakteriell. Meistens reicht das aus. Hartnäckige Flecken kann man mit Gallseife oder einem Waschsodawasserbad vorbehandeln.

Ich fülle das Waschmittel in Glasflaschen ab – z.B. jene, in denen mal Tomatensauce war. Alte Waschmittelflaschen aus Plastik sind natürlich auch eine Möglichkeit, ich kenne mich aber zu wenig mit günstigen Umständen für die Freigabe von Mikroplastik aus und möchte mein Waschmittel nur ungern damit anreichern.

Zusätzlichen Entkalker und Weichspüler braucht man mit diesem Waschmittel nicht. Für Wolle und Seide ist diese Mischung wegen des Sodas nicht geeignet. In diesem Fall einfach ein Waschmittel nur aus Wasser und Seife herstellen. Für Stoffwindeln ist das Waschmittel leider gar nicht geeignet, weil Seife die Poren verkleben und die Saugkraft der Windel beeinträchtigen würde.

So sieht das Ganze mit palmölfreier Molkerkernseife aus:

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